Am 25. und 26. Februar 2006 fand in Chania (Kreta) eine Internationale Konferenz gegen fremde Militärstützpunkte statt. Gastgeber war unsere griechische Partnerorganisation im Weltfriedensrat, das "Griechische Komitee für internationale Entspannung und Frieden" (EEDYE). Insgesamt waren etwa 100 Teilnehmer aus 10 Ländern gekommen (Belgien, Deutschland, Griechenland, Libanon, Palästina, Portugal, Serbien-Montenegro, Syrien, Türkei, Zypern).
Der Tagungsort war gut gewählt, befindet sich doch nicht weit von Chania die Bucht von Souda. Das ist der Heimathafen für die 6. US-Flotte (Mittelmeerflotte). Zur Zeit der Konferenz befand sich die Flotte im Kriegseinsatz. Zu dem Stützpunkt Souda gehört auch ein großer US-Militärflugplatz.

Auf der Konferenz hatte ich die Gelegenheit unsere neue Analyse über fremde Militärstützpunkte in Deutschland vorzutragen. Die gesamte Analyse umfasst 16 Seiten und nennt alle 72 Orte, die vom US Militär (68.000 Soldaten) und alle 4 Orte, die von den Engländern (25.000 Soldaten) genutzt werden. Wir verschicken die Analyse auf Anfrage und werden sie demnächst auf unserer Homepage www.deutscher-friedensrat.de veröffentlichen.
Am 2. Tag fand eine Demonstration mit ca. 500 Teilnehmern in Souda statt. Die Demonstration war (wie immer in Griechenland) sehr temperamentvoll. Der Auftakt war im Zentrum von Chania, danach fuhren wir mit Bussen zum Eingang zum US-Militärflugplatz, der von vielen griechischen Polizisten gesperrt war. Die Absperrungen aus Beton wurden mit der Aufschrift "NATO KILLERS GO HOME" verziert. Auf den Transparenten konnte man lesen "Kein NATO-Stützpunkt in Souda, wir wollen eine zivile Nutzung".

Nachfolgend dokumentieren wir auszugsweise das Abschlusskommunikee der Konferenz:
Die Teilnehmer unterstrichen ihre starke Opposition gegen die Präsenz fremder Militärstützpunkte in ihren Ländern und weltweit, was unter anderem eine klare Verletzung der Souveränität und Unabhängigkeit der betroffenen Länder und eine klare Missachtung des Willens und der Wünsche der Menschen darstellt.
Oft ist damit auch eine Verletzung des nationalen Rechts und der Verfassung der "Gastländer" verbunden.
Sie werden zum Training und der Vorbereitung von militärischen Interventionen auf andere souveräne Länder und Völker missbraucht und sind damit gleichzeitig eine dauerhafte Bedrohung für jede soziale und politische Bewegung auf nationaler Ebene. Die Teilnehmer des Treffens besuchten die US-Marine und Luftwaffenbasis von Souda, eine der größten im Mittelmeer und schlossen sich dem massiven Protest der friedliebenden Menschen von Kreta bei ihrer Forderung zur Schließung dieser Kriegs- und Terror-Einrichtung an.
Die Region des Balkans und des Nahen Osten ist bei den USA, der EU und der NATO seit vielen Jahren ins Zentrum des Interesses gerückt. Durch Kriege und Interventionen, Besetzungen und Invasionen, wollen sie ihrer strategischen Interessen, die mit Energiequellen und ihren Transportwegen zu tun haben, sichern. Grenzen werden verändert, neue Protektorate werden geschaffen, Länder werden zerlegt, egal ob damit die Zerstörung des Lebens oder der Natur verbunden ist.
Die Anwesenheit von US-, britischen und NATO-Basen in Europa, im östlichen Mittelmeer und im Nahen Osten bedroht täglich den Alltag unserer Völker. Die fremden Truppen erfreuen sich der beinahe uneingeschränkten Immunitiät für ihre kriminellen Handlungen. Die Folgen davon reichen von der Schädigung des sozialen Lebens, Terror gegen Frauen und Kinder, Vergiftung der Natur bis zur Ausspähung des Lebens der Bürger, Manipulation der Gewissen, Jugend-Prostitution, Umsiedlung der Bevölkerung, Drogenhandel, usw.
Nach tiefer Analyse, in der
Überzeugung, dass die Menschlichkeit
niemals so bedroht war, so angegriffen war vom Imperialismus und seiner
Politik, verurteilte die Versammlung:
- den so genannten Krieg gegen den Terror, der nur dazu dient die
Regionen des wirtschaftlichen und politischen Einflusses neu
aufzuteilen
- die anwachsende Welle der Gewalt und sozialen Ungerechtigkeit, die
vielfältiges Leid der Mehrheit der Bevölkerung
auslöst,
die sich in Aggressionen, in präventiven Kriegen und
wirtschaftlicher Ausbeutung zeigt.
- die gängige Version der imperialistischen Strategie, die in
neuen Militärstützpunkten
oder neuartigen Enklaven mündet, beispielsweise bei der
Nutzung
von Häfen, Flughäfen, neu entwickelten
Übungsgebieten
und kooperativen Sicherheitseinrichtungen.
Die internationale
Versammlung verurteilte außerdem:
- die andauernde Besetzung Palästinas, Afghanistans, Iraks und
Teilen von Zypern, Syrien (Golan) und Libanons (Sheba-Farmen).
- die neue NATO-Doktrin und die Militarisierung der EU
- den "Großen Plan für den Nahen Osten" und die
Einmischungen der USA, der EU und Israels in die Angelegenheiten
anderer Länder
- die modernen Konzentrationslager wie in Abu Graib und die
israelischen Gefängnisse auf palästinensischem Boden
- die geheimen Gefängnisse und Flüge der CIA
- die wachsende militärische Anwesenheit der USA und der EU in
Afrika, u.a. mit dem Ziel der Kontrolle der Bodenschätze
- den Plan neue US-Militärstützpunkte in Bulgarien
und
Rumänien einzurichten
- die wachsende und illegale Militarisierung Japans und die Nutzung der
Militärstützpunkte auf Okinawa, um Asien und den
Pazifik zu
kontrollieren
- den Militärstützpunkt Manta in Ekuador, der das
Projekt
"Plan Colombia" gegen die Bevölkerung in Bolivien und
Venezuela
und der ganzen Region ergänzen soll.
- die britischen Militärstützpunkte in Zypern, die
vielfach
das Völkerrecht bricht.
- die unterwürfigen Regierungen der Region, die willig mit den
Imperialisten zusammenarbeiten, indem sie ihnen die Nutzung der
Militärstützpunkte und die Unterstützung
ihrer
Pläne anbieten
- das "Memorandum of Understanding" (MOU), durch das die
Länder
mit fremden Militärstützpunkten unter Kuratel
gestellt sind.
Die Teilnehmer des Treffens
erklärten:
- dass ihre Organisationen entschlossen den Kampf gegen jede Art von
fremder militärischer Präsenz führen werden,
und
forderten die Auflösung aller existierender fremder
Militärstützpunkte
- ihre Solidarität mit den Völkern, die für
ihre
Unabhängigkeit, Freiheit und soziale Gerechtigkeit
kämpfen
- ihre Unterstützung für die Errichtung eines
unabhängigen Staates Palästina, beruhend auf den UN-
Resolutionen und den Grenzen von 1967, mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt
- ihren Willen, systematisch ihre Anstrengungen für gemeinsame
Aktionen mit anderen sozialen Organisationen und Bewegungen
fortzuführen, um das Bewusstsein überall in der Welt
für
das oben Erwähnte zu wecken
- ihre Bereitschaft, die Kampagne des Weltfriedensrates und der
Weltkonferenz gegen fremde Militärstützpunkte in
Ekuador im
März 2007 zu unterstützen.
Die fremden Militärstützpunkte sind eine ständige Bedrohung des Friedens – schließt sie jetzt!
Chania, 26. Februar 2006